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Ausstellung über die Bündner Zuckerbäcker

Durch Handelsabkommen zwischen der Serenissima, wie die Republik Venedig genannt wurde, und den Drei Bünden erhielten die Bündner Privilegien wie freien Zugang zur Republik Venedig und das Recht auf freien Handel. So entstanden auch neue Berufe wie der der Zuckerbäcker.

Wenn man von den Bündnern Zuckerbäckern spricht, muss man den Begriff weit fassen, schliesst er doch eine ganze Reihe von Berufen ein, die eng miteinander verbunden sind: Confiseure, Cafetiers, Schokolatiers, Bierbrauer, Bier- und Likörschenkwirte, Schnapsbrenner, Grappa-Produzenten, Fabrikanten von Limonade, Sprudelgetränken, Mandelmilchprodukten oder Marzipan.

Im Gegenzug fanden dafür Waren aus Venedig über die Alpenpässe Zugang zu den Handelsplätzen Nordeuropas.
Neben dem Handel spielten auch politische und strategische Interessen eine wichtige Rolle. Die Drei Bünde mit ihren Untertanengebieten bildeten einen Puffer zwischen den Habsburgern, denen auch Teile der Lombardei und Mailand gehörten, und der Republik Venedig und Frankreich. Die Drei Bünde und Venedig erneuerten ihre Verträge regelmässig. Das änderte sich erst 1766, als die Bündner von einem Tag auf den andern Venedig verlassen mussten. Im Prinzip waren es zwei Gründe, die zu dieser einschneidenden Massnahme führten. Zum ersten geriet die Republik Venedig in Europa immer mehr ins Hintertreffen, politisch und wirtschaftlich. Deshalb konnten die Venezianer es nicht mehr zulassen, dass die Bündner das Geld, das sie in Venedig verdienten, nach Hause brachten. Zum zweiten ging es auch darum, dass die Drei Bünde Verhandlungen mit den Habsburgern aufgenommen hatten. Diese regierten auch in Mailand und waren seit langem die Feinde der venezianischen Republik.

Nach ihrer Vertreibung schwärmten viele Bündner Zuckerbäcker über ganz Europa aus und liessen sich innert weniger Jahre in zahlreichen Städten und Ortschaften nieder, auf der Suche nach neuen Kunden. Sie waren Meister ihres Fachs, unternehmenslustig und gut organisiert in Familien-Clans. Und sie waren bereit, auch wesentlich längere und gefährliche Reisen auf sich zu nehmen.

Was überliefert ist, sind die Geschichten derjenigen, die erfolgreich waren: die Familien Redolfi und Castelmur zum Beispiel. Weniger bekannt ist das Schicksal all derer, die arm geblieben sind. Es gibt weniger geschriebene Dokumente über sie – allenfalls Kirchenbücher, Briefe an die Familie oder Tagebücher. Dazu kommt, dass die Beschäftigung mit ihren Lebensgeschichten, die von Armut, Einsamkeit, Versagen, Misshandlungen, Verzweiflung und Tod erzählen, wenig erbaulich sind.

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