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Yves Netzhammer
«Territorio adottato», 2015


Das sogenannte Empire-Zimmer wirkt mit seinen klassizistischen Holzmöbeln und der
dunkelrot-beige gemusterten Tapezierung trotz seinen kleinen Dimensionen erstaunlich imposant. An der Wand hängt eine gerahmte aquarellierte Federzeichnung eines Zweimasters mit der Bezeichnung «La Goélette la Biche, commandée par le Capitaine Renaud». Ausgehend von der Faszination für das in die weite Fremde weisende Bild und dessen Präsenz im Raum schuf Yves Netzhammer eine multimediale Installation, die an die Assoziationen von Ferne, Handelsbeziehungen, Ingenieurwerk und Seefahrt anknüpft.


Eine selbsttragende Konstruktion mit einem perspektivisch verjüngten Bild von Wasser
und Himmel, deren Horizontlinie das einzige waagerechte Element bildet; ein in den Farben der Tapete gehaltenes Bild von gespiegelten Kontinenten – in pikturalen Setzungen werden Zeichnung und Tapezierung wieder aufgenommen. In ihnen konstituiert sich eine wunderliche Raumverschiebung. Diese wird mit Bewegung zusammengebracht: Mit der Projektion einer ovalen Grundform auf einen sich im Kreis bewegenden Spiegel, wird dieser zum Leuchtturm umgedeutet, dessen Schifffahrtszeichen den Betrachter räumlich umfangen. In der Raummitte steht ein Flachbildschirm, dessen Display nach oben zeigt. Darin werden elf zu einem Videobild gefügte Episoden abgespielt. Die Anzahl und die Anordnung ergeben sich aus dem Grundriss des Palazzo, der in Form eines Holzmodells mit unterschiedlichen Raumhöhen und ausgeklappten Deckeln direkt auf den Monitor gesetzt ist. Den digitalen Einheiten eine räumliche Struktur verleihend, wird so ein auf den Standort Palazzo Castelmur referierendes Assoziationssystem geschaffen. Der Monitor wird zudem auch zum Sockel für ein filigranes, einem sogenannten Rebbilib nachempfundenes Gefüge aus Balsaholz. Rebbilibs wurden im 19. Jahrhundert auf den Marshallinseln durch Seefahrer aus Kokosnussfasern geflochten und dienten als Navigationskarten. Das eindrückliche Handwerkserzeugnis aus horizontalen, vertikalen und gekurvten Stengeln zeigte Standorte von Inseln und Wellengänge an.

Für «Territorio adottato» findet Netzhammer eine erstaunliche Gestaltungsform, in der mehrere Endgeräte originell zu einer installativen Einheit verschmolzen werden. Mit der gewagten Technik der räumlichen Vernetzung webt der Video- und Installationskünstler seinerseits ein Geflecht von überraschenden Entdeckungspotenzialen und kulturellen Bezugssystemen, insbesondere von technischen Artefakten und Modellen unserer Welt.

Céline Gaillard

 

Yves Netzhammer territorio

Yves Netzhammer territorio adottato

Yves Netzhammer · «Territorio adottato», 2015

Multimediale Videoinstallation, Loop 8’ 33”, Objekte
Dank: Seraina Borner, Stephan Schwendimann

© Ralph Feiner · © Video Arte Palazzo Castelmur

 

Als digital arbeitender Video- und Installationskünstler erzeugt Yves Netzhammer (*1970) mit seinen Werken komplexe Erfahrungsräume. Dem Schaffungsprozess liegt die Zeichnung zugrunde. Ausgangspunkt der Arbeiten bilden Untersuchungen zu existentiellen Ängsten des Menschen und Moralvorstellungen sowie die Funktionsweisen der Wahrnehmung. Ihre Spannung beziehen sie von einer eindringlichen Präsenz, welche durch das Kombinieren von Gegensätzen erreicht wird. Der in die Bühne unwillkürlich einbezogene und mit ungewohnten Verknüpfungen und Sinnverschiebungen konfrontierte Betrachter wird dazu gezwungen, sich in ein neues Konzept zu denken und in sich selbst nach Lösungen zu suchen.


www.netzhammer.com