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Eric Lanz ‹Tonal›, 2013

Einige Wände im Palazzo Castelmur weisen Bemalungen aus unterschiedlichen Epochen auf. Die aus verschiedenen Zeiten stammende Malfarbe wurde dabei übereinandergeschichtet. Dieser Beobachtung folgend hat Eric Lanz für seine Intervention im Kleinen Saal im ersten Obergeschoss ebenfalls unterschiedliche Deck- und Trägermaterialien eine Verbindung eingehen lassen, die er in einer Videoarbeit visualisierte.
In ‹Tonal› lässt der Künstler mit flüssiger Temperafarbe, die sich auf eine horizontale, mal schwarze, mal weisse Papierfläche verteilt und sie zudeckt, dem Farbverlauf freien Lauf.
Unter dem Einfluss der Feuchtigkeit wölbt sich das Papier in unvorhersehbaren Formen. Die dabei resultierenden Bilder entstehen ohne direkten Eingriff des Künstlers, «malen» sich selbst.
Durch die technischen Mittel des Videos werden diese Verläufe zeitlich gedehnt. Während die Farbe auf dem Papier trocknet oder das Papier mit der entgegengesetzten Farbe wieder bedeckt wird, wird der zeitliche Prozess in eine manchmal echte, manchmal vorgetäuschte Schichtung überführt. Sich in den Verläufen zu orientieren versuchend eröffnen sich dem Betrachter Assoziationen zur Landschaft. So denken wir in geologischer Ausdeutung vielleicht an Schichtung von Sedimenten oder Verschiebung und Faltung durch Spannkräfte, in meteorologischer Anlehnung an die Bedeckung durch Eis, Schnee, Erde oder Wasser. Schliesslich handelt es sich bei manchen der abgebildeten Kräfte um dieselben physikalischen Erscheinungen, wie sie in der Natur vorkommen.
Die Assoziationen an Landschaften, die angesichts der Sichtbarmachung der Kräfte in den Vermischungsprozessen eröffnet werden, werden an diesem Ort, umgeben von der hohen Gebirgswelt, besonders spürbar. Mit Wasser, Temperafarbe und Papier wählte Eric Lanz bewusst Stoffe, die von traditionellen künstlerischen Medien her bekannt sind. In ‹Tonal› werden Landschaftsbilder gezeichnet, die auf denselben Materialien beruhen, doch in welche die Faktoren Zeit und Veränderung hineinspielen. Die Schichtung und das Ineinandergreifen der unterschiedlich alten Malfarben kulminiert durch die Projektion als zeitgenössisches Medium auf die historische Wand – im dunklen Raum scheinen Videobild und Träger teilweise gar ineinander zu verschmelzen. Die Intervention zeugt vom Interesse des Künstlers für die Verbindung von zeitlosen visuellen Techniken und unserem Zeitalter entstammenden Kulturerzeugnissen.
Céline Gaillard

 

 

 


‹Tonal›, 2013 · Tempera auf Papier auf Video auf Wand, Loop 10'

Bild © Ralph Feiner · © 2013 Video Arte Palazzo Castelmur


 


Eric Lanz (*1962) arbeitet in den Bereichen Video und Fotografie. Häufig auf den Film und die Computertechnologie referierend schafft er mittels der technischen Möglichkeiten des Videoschnitts vielschichtige visuelle Arbeiten, die formale Analogiebildungen ermöglichen und ihn hinsichtlich des vergleichenden Sehens interessieren. Für das Publikum eröffnen sich vielfältige Assoziationen und Imaginationen. Mit seinen interaktiven Videoinstallationen, in welche die Betrachter beispielsweise durch Bestimmung des Bildablaufs eingreifen können, schafft Lanz thematische und technische Verbindungen rund ums Thema Tastsinn.

www.ericlanz.net