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Gabriela Gerber & Lukas Bardill
«Automobile», 2015

Im Stall des Palazzo Castelmur steht ein stattlicher Leiterwagen. Von einem weissen Tuch verhüllt, auf einem ovalen Podest, wird er wie ein neu lanciertes Produkt im Autosalon präsentiert. Den Karren stellte der Baron wohl einst seiner Baronessa, Anna de Castelmur, zur Verfügung. Wie rege sie dieses Angebot indes benutzte, bleibt fraglich. Eine einzige Fotografie vom August 1901 aus dem Archiv des Palazzo zeigt wohl vier Bedienstete auf dem Leiterwagen, der mit zwei Pferden bespannt ist.

Der Animationsfilm «Automobile» von Gabriela Gerber & Lukas Bardill komplettiert die Aufmerksamkeit erregende Inszenierung. Als Projektion auf ein schwebendes Panel bietet er den Wagen mit seinem voll ausgeschöpften mobilen Potential auf dem Wegnetz der nahen Umgebung dar. Er rollt in der Morgendämmerung zur Stalltüre hinaus um sich anschliessend vor dem Palazzo tänzerisch um die eigene Achse zu drehen. Den Platz verlässt er dem asphaltierten Strässchen folgend in westlicher Richtung. Bald kommt er vom Kurs ab, holpert ein steiles Waldstück hinauf. Über Wiesen und Weiden geht es zum Bosch da Durbegia. Aus dem Wald hinaus führt die rasante Fahrt den steilen Weg hinunter nach Vicosoprano, über die alte Steinbogenbrücke und auf der Schnellstrasse nach Stampa, um schliesslich auf der engen Dorfgasse nach Coltura zurückzukehren. Als er – gemächlich – durchs offene Tor im dunklen Stall verschwindet, setzt bereits die Dämmerung ein. Im Videoloop folgt auf die Nacht der nächste Sonnenaufgang und damit eine weitere rasante Tour durch das Dorf und seine unmittelbare Umgebung.


Im Animationsfilm fährt das Gefährt munter aus eigenem Antrieb dahin. Es folgt damit der ursprünglichen Bedeutung des Titels: Das Wort «automobile» – eine Kombination aus dem griechischen autos, «selbst», und dem lateinischen mobilis, «beweglich» – wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich eingeführt, um einen Wagen, für dessen Zugkraft keine Pferde eingespannt werden müssen, zu bezeichnen. Gabriela Gerber und Lukas Bardill untersuchen in ihrem künstlerischen Schaffen den voralpinen Landschaftsraum auf seinen Nutzen und sein ästhetisches Potenzial hin. Mit ihrer Videoinstallation «Automobile» konstruieren sie ein humorvolles Bild eines höfischen Gefährts in bergbäuerlich geprägter Umgebung. Die beschwingte, eine Beseelung darstellende Animation fordert unsere Bereitschaft heraus, uns auf absurde Gegebenheiten einzulassen. Eine unberechenbare Poesie wird auch durch die vielfältigen Tonspuren von Kappeler/ Zumthor freigesetzt.


Céline Gaillard

 

Gabriela Gerber Lukas Bardill Automobile

Gabriela Gerber & Lukas Bardill · «Automobile», 2015

1-Kanal-Videoinstallation mit Animationsfilm, HD-Video 2:3, Farbe, Ton, Loop 15’ 06”
Musik: Leiterwagen 1–6 von Kappeler/Zumthor, Projektion auf Panel, Leiterwagen auf Podest


© 2015 ProLitteris, Zurich · © Ralph Feiner

 

Gabriela Gerber (*1970) und Lukas Bardill (*1968) arbeiten in voralpinen Landschaftsräumen und untersuchen deren Nutzung auf ihren ästhetischen Gehalt. Ihr Interesse an wirtschaftlichen Eingriffen in die Umgebung transformieren sie in Videos, Fotografien und Installationen. Sie bauen Bilder aus Landschaftsfragmenten. Mit diesen medialen Neuformulierungen vermag das Künstlerpaar an romantische Sehnsüchte nach Erhabenheit und Schönheit anzuknüpfen und diese zugleich zu dekonstruieren. Das Potenzial der Täuschung wird offengelegt.

www.bardillgerber.ch