Judith Albert - Karin Bühler - Evelina Cajacob - frölicher|bietenhader -
Gabriela Gerber und Lukas Bardill - Eric Lanz - Zilla Leutenegger - Sissa Micheli - Christoph Rütimann - Simone Zaugg

 

 

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frölicher|bietenhader ‹Gegenbild Oberfläche›, 2013

Fasziniert sind frölicher|bietenhader von der Vielseitigkeit der Wände und Decken des Palazzo Castelmur. Bunte, gemusterte Tapeten beherrschen die Raumwirkungen einzelner Zimmer, andere werden von ihren meisterhaften Wand- und Deckenmalereien bestimmt. Dabei ist jede Tapete wie jede Malerei einzigartig und hat ihren eigenen Charakter. Das junge Künstlerduo macht in drei Interventionen auf diese innere Vielseitigkeit aufmerksam.
Das sogenannte Empire-Zimmer ist mit rot und beige gemusterten Tapeten verziert, in seiner Gesamtausstattung wirkt es dennoch weniger prunkvoll als andere Räume. In der Ecke steht ein Cheminée, das mit einem Gobelin abgedeckt ist. Sein Stickbild zeigt eine kitschige Landschaft mit einem Schloss oder einem edlen Landhaus.
Mit einer Projektion werfen frölicher|bietenhader dasselbe Bild auf den Gobelin und heben es durch die Verdoppelung mit dem Licht von den übrigen Stücken im Zimmer ab. Der Gobelin erhält nun eine digitale Überlagerung, seine Rasterung ist aber durch seinen Stoff gegeben und nicht etwa durch digitale Pixel. Es resultiert ein Spiel mit dem Ineinandergreifen von alten und neuen Medien. Die Projektion intensiviert die Farbigkeit und Erzählkraft des Gobelins. Vom Holz des Ofens umrahmt wirkt die Abdeckung nun wie die Sicht aus einem Fenster.
Nochmals gesteigert wird diese intensivierte Bildwirkung durch die Projektionen mit demselben Prinzip auf die an den Ofen anliegenden Wände. So wird auch auf die Tapete ihr eigenes Muster projiziert. Dieses generiert eine optische Täuschung und erzeugt eine dreidimensionale Wirkung. frölicher|bietenhader schaffen eine illusionistische Rauminszenierung, die durch die Hervorhebung und Steigerungder vorherschenden räumlichen Gegebenheiten dem Raum mehr Kitsch verleiht, sodass er nun ähnlich prunkvoll erscheint wie die anderen Räume. Indem sie Altmodisches medial bewegen, schaffen sie neue Trompe-l'OEil-Effekte.
Céline Gaillard

 

 

 


‹Gegenbild Oberfläche›, 2013 · Projektion

Bild © Ralph Feiner · © 2013 Video Arte Palazzo Castelmur

frölicher|bietenhader ‹Gegenbild Spiegel›, 2013

Das Turmzimmer im ersten Obergeschoss mit den blau und golden bemalten Wänden trumpft mit einer liebevoll ausgeführten illusionistischen Deckenmalerei auf. Sie täuscht eine goldene Deckenarchitektur vor, welche den realen Raum mit virtuos in den Himmelsraum weitergeführten architektonischen Elementen ausweitet. Allegorien, welche der Schwerkraft der irdischen Welt trotzen, stehen in einem imaginären Luftraum. Diese werden mit Baldachinen prunkvoll überdacht. Die vier Baldachine kommen in der Mitte zusammen, an jenem Punkt, der durch die illusionistische Malerei getäuscht am höchsten erscheint.
frölicher|bietenhader haben in die Mitte des Raumes einen Monitor hingestellt, dessen Display nach oben zeigt, sodass der Betrachter gezwungen ist, nahe an ihn heranzutreten und auf ihn herunterzuschauen, um das darin abgespielte Video zu sehen.
Das Videobild zeigt ein Beet aus blauem Grund, auf welchem eine goldene Kugel ruht. Langsam und endlos wandert der Schatten der stark beleuchteten Kugel im Kreis. Der blaue Hintergrund wird von blauen Farbpigmenten gebildet, welche zusammen mit der goldenen Kugel auf die farbliche Bemalung des Raums verweisen. Bei der Kugel handelt es sich – so wird der Betrachter merken, sobald er den Kopf hebt – um die Imitation der gespiegelten kugelförmigen Spitze, in welcher alle Baldachine zusammenlaufen und die sich genau über der Kugel im Video befindet.
Bei ihrem Videoloop gehen frölicher|bietenhader von ihrer Feststellung aus, dass der unbekannte Künstler der Deckenmalerei bei der Ausführung der Baldachin-Schatten einen Kompromiss eingehen musste: Zwei der Schatten stimmen nicht. In ihrer Intervention greifen sie somit nicht nur die Farbigkeit des Raums auf, sondern auch das Thema der Realität vortäuschenden Malerei, und erfüllen im Medium des Videos die Kriterien, an denen die Malerei scheiterte.
Der Monitor wurde so im Raum ausgerichtet, dass man beim Betrachten des Videos wahrscheinlich die Position mit dem Rücken zum Fenster wählen wird. Schaut man danach wieder auf, wird der Blick automatisch im eindrücklichen und grossen Spiegel zurückgeworfen, sodass eine weitere Spiegelung im Raum stattfindet.
Céline Gaillard

 

 

 


‹Gegenbild Spiegel› 2013 · Videoloop, 2' 54''
Bild © Ralph Feiner · © 2013 Video Arte Palazzo Castelmur

frölicher|bietenhader ‹Gegenbild Grundriss›, 2013

Die drei Interventionen des Künstlerduos frölicher|bietenhader bespielen verschiedene Räume des ersten Obergeschosses. Mit einem ferngesteuerten, mit einer Funkkamera ausgerüsteten Auto führten sie eine Sondierung durch diese Räumlichkeiten durch. Die Fahrt beginnt im Gang und führt durch den Ballsaal in den blau-golden bemalten kleinen Raum und auf dem gleichen Weg zurück wieder in den Gang, dann ins Empire-Zimmer und durch Gang und Ballsaal schliesslich in das Rote Zimmer.
Hier wird auf eine massive Holzwand, die fast aggressiv quer durch den Raum positioniert wurde, dieselbe Kamerafahrt projiziert. Laut und aggressiv klingt auch der Ton, der direkt von der Autofahrt stammt und die Rauminszenierung akustisch erfahrbar macht. Die Sondierung mit dem Auto wurde zu drei verschiedenen Tageszeiten vorgenommen, sodass das Sonnenlicht je nach Standort im Film wandert
.Durch die Bildqualität der Funkkamera und die Bewegung wirken die Aufnahmen nervös und die reelle Farbigkeit neckig überspielt, sodass sie gar grob und unrein erscheint. Mit ‹Gegenbild Grundriss› übersteigern frölicher|bietenhader die vielseitige Farbigkeit des Gebäudeinneren in ein Extremum und navigieren den Besucher mit illusionistischen Manipulationen in den Räumen.
Die Installationen des Künstlerduos bieten stets ganzheitliche Erlebnisse. Sie resultieren aus einer seriösen und bewussten Auseinandersetzung mit dem Ort, in den sie in einem inszenatorischen Umgang künstlerisch eingreifen. Der Einbezug von vielseitigen, modernen wie antiquarischen Filmmaterialien sowie langjährige Entwicklung von Techniken zeichnen ihre Arbeiten aus.
Céline Gaillard

 

 

 


‹Gegenbild Grundriss› · 2013 · Video, Ton, 11' 11''
Bild © Ralph Feiner · © 2013 Video Arte Palazzo Castelmur

Selina Frölicher (*1985) und Micha Bietenhader (*1985) konzipieren vor Ort mittels künstlerischen Eingriffen visuell wie auditiv erfahrbare Rauminszenierungen. Seit einem 2008 gemeinsam durchgeführten Projekt im Rahmen ihres Studiums an der HSLU arbeiten sie als Künstlerduo frölicher|bietenhader zusammen. Bewusste Ansammlung und der Einbezug von vielseitigen, modernen wie antiquarischen Film-Materialien sowie langjährige Entwicklung von Techniken zeichnen ihre Arbeiten aus. Den Besucher im Raum navigierende Illusion und Manipulation sind Resultat einer seriösen und bewussten Auseinandersetzung mit dem Ort.

www.froelicherbietenhader.ch

 

Künstlergespräch mit frölicher|bietenhader