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frölicher | bietenhader und Duri Collenberg
«Lining», 2015


Ausgehend von der Beobachtung, dass nicht nur jeder Raum, sondern praktisch auch
jedes Möbelstück und jedes architektonische Detail eine Musterung aufweist – Möbel sind mit dekorativen Stoffen gepolstert, Schränke und Kommoden geschnitzt und lackiert, Wände bemalt oder tapeziert, Decken kassettiert –, haben frölicher | bietenhader in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Duri Collenberg eine Medieninstallation entwickelt, die diese Besonderheit des Palazzo komplettiert.
Eine Charakteristik des getäferten, ans Empire-Zimmer anschliessenden Raumes im Nordtrakt ist seine hölzerne Kassettendecke mit regelmässig angeordneten Stuckaturen. Ihr Gegenstück hingegen, der Holzboden, ist weder lackiert noch zeigt er andere Auffälligkeiten. Mit der Videoinstallation «Lining» (dt. Innenfutter) drückt das medial arbeitende Künstlerduo frölicher | bietenhader diesem ein eigens dafür geschaffenes, bewegtes Bild auf und lenkt damit die gesamte Aufmerksamkeit auf den gewöhnlich kaum beachteten Boden. Das mittels vier von der Decke hängender Projektoren auf den Boden geworfene Video zeigt eine illusionistische, sich ständig bewegende geometrische Struktur. Eine Grundlage dieser flimmernden Formen bildet die Kassettendecke über diesem Boden, die frölicher | bietenhader in Anlehnung an barocke Gartenanlagen mit weiteren Strukturen ergänzt und mit videotechnischen Mitteln abstrahiert haben. Die dynamischen, an Pläne erinnernden Strukturen umgreifen die den Raum betretenden Betrachter geradezu, die sich in einem sinnlichen Teppichmeer watend wiederfinden mögen.


Auf die künstlerische ortsspezifische Reaktion reagiert Duri Collenberg seinerseits mit
einem Soundscape. Mit digitalen Synthesizern und Samples arbeitend, hat der Pianist
und Komponist ein ebenfalls raumfüllendes Klangerlebnis realisiert, das aufgrund seines fragmentarischen Aufbaus und des Einbezugs von Sensoren dynamisch ausgelöste Wechselwirkungen erlaubt. Der freischaffende und in verschiedenen Kooperationen wirkende Komponist erhielt 2011 den Bündner Kulturförderpreis sowie den Werkbeitrag der Stadt Chur. In ihrer ersten projektbezogenen Zusammenarbeit schaffen frölicher | bietenhader und Duri Collenberg mit «Lining» einen in sich geschlossenen, mit der gegebenen Raumstruktur eindrücklich verwebten, sinnlichen Erfahrungsraum.

Céline Gaillard

 

frölicher bietenhader Lining


frölicher | bietenhader und Duri Collenberg · «Lining», 2015

Medieninstallation mit Projektion und Klang, 4 Projektoren, 20 Lautsprecher, Videoloop 6’ 38”

© Ralph Feiner · © Video Arte Palazzo Castelmur

 

«Mindpalace», 2015


Mit der Idee eines «Mindpalace» bespielen frölicher|bietenhader den roten Saal und
das daran anschliessende Turmzimmer. Der mit verzierten Wandtapeten, illusionistischer Deckenmalerei, klassizistischen Möbeln und kostbaren Spiegeln pompös, aber auch märchenhaft anmutende Raum wird zum Schauplatz einer mehrteiligen Videoinstallation. Entstanden in bewusster Auseinandersetzung mit dem Ort, dem gesamten Palazzo Castelmur, bildet die Installation ein inszenatorisches Mittel, um in das kuriose Gebäude einzugreifen und mit eigenen Produktionen die vielfältigen Impressionen, die es vermittelt, auszudrücken.


Das reich möblierte Zimmer wird mit mehreren Monitoren bestückt. Die darin abgespielten Videos zeigen künstlerische Umsetzungen von Erkundungen und Beobachtungen des Palazzo. Wandmalereien, Gemälde und Fotografien, Mobiliar und andere Sammlungsobjekte tauchen in kurzen Filmen auf. Sie werden zur Kulisse für präzise Handlungen oder zum mit Bewegung angestossenen Requisit, finden sich in Settings wieder, die mit assoziierten Themen verknüpft werden. Neben eigenen Videoproduktionen handelt es sich auch um Sequenzen aus Spielfilmen und Games. Ihnen gemein ist, dass sie sich um die Unzugänglichkeit und die Inszenierung von Räumen drehen. In ihrer Konzentration und durch die kurze Dauer wirken sie wie Fragmente, die in ihrer Dichte ein Netz von unterschiedlichen Ressentiments wiedergeben. Es sind Gedankengänge, Erinnerungsfetzen, Assoziationen zum Gebäude.


«Mindpalace» visualisiert eine Technik des Gedächtnistrainings, mit der Erinnerungen abgerufen und gespeichert werden. Auf persönlichen Assoziationen beruhend, wird mit der Zusammenstellung der traumillusionistisch- verspielten Videos ein Konstrukt von möglichen Relationen geschaffen und geprüft. Einen statischen Gegenpol stellt der fast drei Meter hohe Leuchtkasten mit einer gewaltigen Fotografie im Turmzimmerchen dar. Die poetisch inszenierte Momentaufnahme der geöffneten Tür zu ebendiesem Raum, aus dem enorm helles Licht strahlt, mag die Eröffnung weiterer, noch unbeschriebener Assoziationen versinnbildlichen und hervorrufen.


Das Künstlerduo frölicher|bietenhader untersucht architektonische Räume auf ihre Besonderheiten hin, die es häufig mit dem Prinzip der Intensivierung artikuliert. Illusion und Manipulation sind Resultat einer seriösen Annäherung an den Ort. Im Roten Saal des Palazzo Castelmur spielen frölicher|bietenhader mit surrealen Fiktionen mit dem vorhandenen Raum und hinterfragen schliesslich Zeit und Realität.

Céline Gaillard

 

frölicher bietenhader Mindpalace

frölicher | bietenhader · «Mindpalace», 2015

Mehrteilige Videoinstallation und Leuchtkasten, Dimensionen variabel

© Ralph Feiner · © Video Arte Palazzo Castelmur

 

Selina Frölicher (*1985) und Micha Bietenhader (*1985) konzipieren vor Ort mittels künstlerischen Eingriffen visuell wie auditiv erfahrbare Rauminszenierungen. Seit einem 2008 gemeinsam durchgeführten Projekt im Rahmen ihres Studiums an der HSLU arbeiten sie als Künstlerduo frölicher|bietenhader zusammen. Bewusste Ansammlung und der Einbezug von vielseitigen, modernen wie antiquarischen Film-Materialien sowie langjährige Entwicklung von Techniken zeichnen ihre Arbeiten aus. Den Besucher im Raum navigierende Illusion und Manipulation sind Resultat einer seriösen und bewussten Auseinandersetzung mit dem Ort.

www.froelicherbietenhader.ch