Evelina Cajacob - frölicher|bietenhader - Gabriela Gerber & Lukas Bardill - Zilla Leutenegger - Manfred Alois Mayr - Yves Netzhammer - Ursula Palla - Patrick Rohner - Sebastian Stadler - Olga Titus

 

 

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Evelina Cajacob
«StoffTraum», 2015


Das Musikzimmer ist einer der wenigen Räume ohne auffallende Tapeten oder dekorative Wandmalereien. Auf über den weissen, eine frühere hellgraue Bemalung bedeckenden Kalkverputz montierten Panels projiziert Evelina Cajacob zwei Videos, die auf den ersten Blick sehr ähnlich wirken mögen, jedoch gänzlich gegensätzliche Aussagen bilden: Im einen Video zerreisst eine Frau kraftvoll ein Stofftuch. Von der stehenden Protagonistin ist nur der Oberkörper zu sehen, der Videoschnitt fokussiert auf ihre Hände und damit auf die in mutwilliger Bestimmtheit ausgeführte Handlung. Ein kräftiger, knirschender Ton begleitet den zerstörerischen Akt. Der zweite Film zeigt dieselbe Akteurin, nun an einem Tisch sitzend. Die Perspektive von oben zentriert auf ihre Hände, die weisse Stoffstücke zusammennähen, welche die Betrachter unschwer als die durch das Zerreissen entstandenen Teile deuten. Leise summt die Frau vor sich hin.

Zerstörung und Wiedergutmachung – in der Videoinstallation «StoffTraum» visualisiert
Evelina Cajacob seelische Affekte. Der weisse Stoff, der das Bildformat immer wieder fast ganz ausfüllt, wird zur mentalen Projektionsfläche, die dadurch räumliche Ausdehnung erhält. Die Intimität der Atmosphäre im eher karg eingerichteten, verdunkelten Raum unterstützt die sinnliche Ausdruckskraft der Arbeiten. In ihren in den letzten Jahren entstandenen Videos fokussiert Cajacob oft auf Tätigkeiten, die bei weiblich konnotierten Handarbeiten ausgeführt werden. Sie zeichnen sich durch besonders sorgfältige, routinierte Ausübung und repetitiven Charakter aus, die den Betrachter unwillkürlich in den Sog ziehen. Indem die im Alltag ihre Inspiration findende Künstlerin die Tätigkeiten im Medium Video auf Dauer bannt, überführt sie ur-vertraute Arbeiten in die Gegenwart. Sie schafft Stimmungen, denen man sich schwer entziehen kann.


Zum ersten Mal setzt Cajacob nun mit «StoffTraum» einen Gegenpol zur positiv empfundenen Arbeit und stellt ihr eine narrativ lesbare Vorgeschichte voran. Wenn
indes die beiden Videos, deren Handlungsnarrative eine zeitliche Abstufung implizieren, gleichzeitig im selben Raum projiziert werden, dann wird ein überzeitlicher Bogen geschaffen. Die Handlungen – das Zusammenfügen und das Zerreissen – erlangen dadurch Allgemeingültigkeit, die weder auf einen bestimmten Ort noch eine bestimmte Zeit hinweist. Nichtsdestotrotz scheinen die mit inneren Spannungen verknüpften Vorgänge im grossen Haus mit den fantastischen Räumen und seinen Geschichten ein passendes Gehäuse zu finden.

Céline Gaillard

 

Cajacob Stofftraum

 

Evelina Cajacob · «StoffTraum», 2015

Videoinstallation mit zwei HD-Video-Projektionen, 16:9, Ton, Loop je 8’
Gesang: Ursina Giger (*1985) · Video: Margarit Lehmann (*1958)

Bild: © Ralph Feiner · © Video Arte Palazzo Castelmur

 

Evelina Cajacob (*1961) setzt sich in Zeichnungen, Objekten und raumbezogenen Installationen mit verschiedenen Materialien und Räumen auseinander. Dabei lotet sie Schnittstellen zwischen Bewegung, Wiederholung und Verdichtung aus. Leichtigkeit und Schwerelosigkeit prägen ihr gesamtes Schaffen. Evelina Cajacobs eigenständige Arbeiten überzeugen mit ihrer Formensprache und eröffnen uns erweiterte Wahrnehmungsebenen.

www.evelinacajacob.ch