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Evelina Cajacob ‹Incrésciar – LangeZeit›, 2013

Der Nordteil des Palazzos stammt aus dem Jahr 1723. Das Gebäude wurde damals als Patrizierhaus der Familie Redolfi errichtet. Im Nordtrakt sind eher kleine Zimmer zu finden, die zu einem grossen Teil eine Täferung aus Arvenholz aufweisen. Für die «Bergeller Stube» hat Evelina Cajacob ein Werk realisiert, für welches sie als zentrales Arbeitsmaterial ein örtliches Erzeugungsgut verwendete und das dem Raum eine anziehungsvolle Aura von Ruhe und Konzentration verleiht.
In ‹Incrésciar – LangeZeit› wird auf den Ausschnitt der Hände der Künstlerin fokussiert. Wie in ihren anderen Videoarbeiten sind diese mit einer Tätigkeit beschäftigt, welche der Hausarbeit verschrieben ist: Sorgfältig wickeltdie Künstlerin, von der vor dunkelgrauem Hintergrund nur ein Teil ihrer schwarzen Kleidung sichtbar ist, einen Wollfaden auf. Und zwar bis der so wachsende Knäuel bildfüllend wird. Beim Material handelt es sich um eine originale Bergeller Wolle: von Bergeller Schafen und gesponnen von einer Wollspinnerin aus Coltura. Eine Tonspur gibt der Arbeit ihren eigenen Akzent und den Rhythmus der Tätigkeit wieder. Weder hastig noch langsam, aber stetig und sorgfältig gehen die Hände der Künstlerin bei dieser Arbeit vor. Wie der Titel der Intervention verlautet, geht es dabei um eine lange Zeit. Bis die gesamten 1,5 Kilogramm der Wolle aufgerollt sind, vergehen 83 Minuten. Die Hände verrichten die Arbeit jedoch stets inderselben Gleichmässigkeit und mit Geduld.
Evelina Cajacob interessiert sich für repetitive Momente und macht in ihren Arbeiten die Schönheit alltäglicher Handlungen sichtbar. In der präzisen Aufmerksamkeit, die sie den sich wiederholenden und monotonen Handlungen zukommen lässt, zieht sie den Betrachter in den Sog einer starken Ausdruckskraft dieser alltäglichen Vorgänge.
In der Bergeller Stube weckt die Projektion auf die getäfelte Wand nichtnur Wehmütigkeit hinsichtlich vergangener Zeiten, die lange her scheinen. Die Länge der Wolle sowie der Zeit, die es braucht, um sie aufzuwickeln, stehen auch für die grosse Distanz zwischen den nach ganz Europa ausgewanderten Bergellern und ihren daheim gebliebenen Frauen. Mit ‹Incrésciar – LangeZeit› - Incrésciar bedeutet Heimweh, lange Zeit nach jemand haben vermissen – macht Evelina Cajacob die lange Zeit, in welcher die „Zuckerbäckersfrauen“ alleine waren, und ihre gleichsam wie der Knäuel wohl stetig wachsenden wehmütigen Gefühle auf sinnliche Weise nachfühlbar.
Céline Gaillard

 

 



‹Incrésciar – LangeZeit›, 2013 · HD Videoinstallation, 16:9, Farbe, Bild: Margarit Lehmann, Ton: Martin Hofstetter, 1 h 23''

Bild © Ralph Feiner · © 2013 Video Arte Palazzo Castelmur

 


Evelina Cajacob (*1961) setzt sich in Zeichnungen, Objekten und raumbezogenen Installationen mit verschiedenen Materialien und Räumen auseinander. Dabei lotet sie Schnittstellen zwischen Bewegung, Wiederholung und Verdichtung aus. Leichtigkeit und Schwerelosigkeit prägen ihr gesamtes Schaffen. Evelina Cajacobs eigenständige Arbeiten überzeugen mit ihrer Formensprache und eröffnen uns erweiterte Wahrnehmungsebenen.

www.evelinacajacob.ch