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Karin Bühler ‹Ich sehe (was war)›, 2013

Die historischen Räume des Palazzo Castelmur unterliegen einem musealen Konzept, das dem Nach-Erleben der Zeit der Hauserschaffer dient. Bewohnt wurde das Haus aber in seiner Vergangenheit nicht nur vom Baron und der Baronessa de Castelmur und ihren Nachfahren. 1961, als der Palazzo von der Ortsgemeinde erworben und als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, zog der Verwalter mit seiner Familie in den Palast ein. Dabei wurden Museumsbetrieb und Wohnraum bestimmt und funktionierten teilweise sogar parallel.
Karin Bühler machte sich auf die Suche nach den Lebenszeichen der Bewohnerinnen und Bewohner aus dieser Zeit. Die entfernten Spuren dieser Bewohnung vergleicht die Künstlerin mit einer Zeitkapsel, der sie mit ihrer Intervention ‹Ich sehe (was war)› Lebensgeist einhaucht.
Der Titel lehnt sich an das Medium Video an. Video – lat. ich sehe – bietet die Möglichkeit, das Geschehen einzufangen und das Aufgenommene, das aus der Vergangenheit stammt, immer wieder zu sehen; Zeit und Raum werden verrückbar.
In aufwendigen Recherchen machte die Appenzeller Künstlerin sämtliche Personen ausfindig, die einst im Palazzo gewohnt hatten, und befragte sie nach deren Erinnerungen an das Leben im Palazzo. Es sind die Kinder des damaligen Verwalters sowie der Ur-ur-urneffe der Baronin, welche von ihren unterschiedlichen Erinnerungen an den Palazzo berichten. Aus dem gesammelten Material wählte die Künstlerin, die in ihren Arbeiten immer andere sprechen lässt, die griffigsten Beschreibungen in Form von Bild- und Textsequenzen. Den ungegenständlichen, nicht fassbaren Erinnerungen gibt Karin Bühler in ihrer künstlerischen Umsetzung mit digitalen Bilderrahmen Gestalt. Diese ersetzen auf der edlen Kommode im bezaubernden grünen Schlafzimmer mit seiner illusionistischen Deckenmalerei vielleicht dereinst dort platzierte Fotorahmen.
Das Schlafzimmer ist der Raum der Träume. So werden die gesammelten Erinnerungen Tagträumen gleich abgespielt. Wie aus einer Musikdose ertönt sanfte Musik – es sind die heute umgesetzten Noten, zu denen der Baron Verse geschrieben hatte, sowie der Gesang nach den Versen. Die leicht entrückten Klänge rühren vom antiken, längst nicht mehr benutzten Tafelklavier aus Nîmes, das das Musikzimmer des Erdgeschosses ziert. Die Intervention vermag den Betrachter in den Bann dieser anfänglich beschriebenen Zeitblase zu ziehen. Die bei den Erzählungen und ihrer Übersetzung entstandene Intimität ist das Resultat eines sehr sensiblen Zugangs sowie der eingehenden Recherche der Künstlerin.
Céline Gaillard

 

 

 

‹Ich sehe (was war)›, 2013 · Digitale Bilderrahmen (jpg und wav), längste Sequenz: 12' 30''
Bild © Ralph Feiner · © 2013, ProLitteris, Zürich
Alle Urheberrechte bleiben vorbehalten. Sämtliche Reproduktionen sowie
jegliche andere Nutzungen ohne Genehmigung - mit Ausnahme des
individuellen und privaten Abrufens der Werke - ist verboten.

 

 

Karin Bühler (*1974) setzt sich in ihrem konzeptuellen Schaffen mit dem Nicht-Fassbaren auseinander. In ausgeklügelter Form und einer Vielzahl von Medien gibt sie dem Ungegenständlichen und Flüchtigen eine Gestalt. Eingehende, historische Recherche und tiefgreifende Beschäftigung mit Neurologie, Forschung und Lokalgeschichte zeichnen ihre Arbeit aus. Dabei lässt die Künstlerin in ihren Arbeiten andere Menschen sprechen. Mit dem Bewusstmachen von hinter Augenscheinlichem Verborgenem und mit den eng beim Menschen angesiedelten Themen führt sie einen Grenzbereich von Erfahrungen vor, der unweigerlich eigene Assoziationen erzeugt.

www.karinbuehler.ch